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Wie bist du zur Musik gekommen und wann hast du angefangen?

Felix: Also Musik allgemein war schon immer ein fester Bestandteil meines Lebens. Mein Vater spielt Gitarre und hat mich schon früh mit Hendrix, Genesis und progressiven Rock in Kontakt gebracht. Seine Plattensammlung war für mich ein Spielplatz und ich denke unterbewusst hat sich da viel prägendes Material ins Gehirn eingeschlichen. Kraftwerk, New Order, Mike Oldfield, Depeche Mode und und und.. Techno selbst ist mir aber zum ersten mal dank RTL2 und deren Liveübertragung der Loveparade untergekommen. Das hat mich schon sehr beeindruckt. Aber zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht mal bewusst das DJing, Producing oder Clubkultur existieren. Gut, ist mit 13 auch nicht verwunderlich. Angefangen so selbst zu experimentieren war dann 2006. Das erste mal Platten gekauft (Damals noch Drum & Bass) und erste Schritte mit FL Studio am PC gewagt.

Timm: Bei mir war es eigentlich so, das egal was ich als Kind machte, immer iwie Musik zugegen war. Egal ob ich mit meinen Eltern unterwegs war, oder zuhause, es lief immer und überall Musik und extremst spannend fand ich, dass wenn wir bei meinen Großeltern waren, da halt nen Plattenspieler stand und viele Platten die mich magisch angezogen haben. Als dann langsam das Weggehen mit Freunden begann, wohnte ich noch in der Nähe von Frankfurt und der Hotspot war das Alladin´s in Goldbach. Dort war Mike Staab Resident, der zu dieser Zeit mit den ersten elektronischen Danceacts seiner Zeit, als Produzent und DJ in den Charts vertreten war, das waren Mysterious Art und vorallem Magic Affair. Dementsprechend war die Musik sehr trendy und eben elektronisch angehaucht. Zu der Zeit habe ich auch angefangen schon Platten zu kaufen, ohne den Anspruch sie als DJ auflegen zu wollen. Iwann wollten dann einige Leute aus meinen Freundeskreis mal nach Frankfurt zum Feiern fahren und ohne das ich wusste wo es hinging, bin ich im Omen gelandet. Und da war alles zu spät. Sven Väth hat gespielt und diese Magie hat mich bis heute nicht losgelassen. Da war schon klar ich will das auch mal machen, durch einen Umzug nach Hamburg habe ich dann relativ spät angefangen mir richtiges Equipment zu kaufen und ordentlich zu lernen. Mein erstes offizielles Booking hatte ich dann im Jahr 1995 (ja ich bin schon so alt…smile)

Warum Musik?

Felix: Es ist eine Mischung aus Leidenschaft und Sucht. Musik hilft in jeder Lebenslage und umgekehrt ist jede Lebenslage eine Quelle für Inspiration oder kann mit Musik verarbeitet werden. Dazu kommt bei mir ein innerlicher Drang nach Selbstverwirklichung, Ideen Gestalt annehmen zu lassen und Menschen auf eine Art und Weise zu verbinden, die Politik, Geschlecht, Hautfarbe und sonstige Klischees vollkommen unwichtig werden lassen. Dazu kommt bei mir ein fast schon exzessiver Hang zum Perfektionismus, den ich nirgendwo so gut „therapieren“ kann wie durch Musik.

Timm: Hat Felix schon angedeutet. Musik hilft in jeder Lebenslage und als DJ oder Künstler hat man die Möglichkeit, andere Menschen an seinen Gefühlen teilhaben zu lassen oder ihnen Gefühle vermitteln zu können. Und das ist das Spannende.

Kunst oder Geld?

Felix: Selbstverwirklichung. Der Drang Gedanken, Gefühle und Momente einzufangen und Menschen unterbewusst Emotion empfinden zu lassen. Ob das jetzt Kunst ist oder eine menschliche Fähigkeit die in jedem von uns ist, dass kann jetzt jeder für sich entscheiden. Fakt ist, Geld kommt und geht.

Timm: Was für hochtrabende Worte 😉 Ist aber wohl wahr, wobei für mich an allererster Stelle die Kunst steht. Allerdings muss man sich halt iwann auch mal Gedanken darübermachen ob man ausschließlich für und von seiner Kunst leben kann, oder will. Spätestens dann wird auch das Geld unerlässlich und somit ist da sicherlich eine Verbindung aus beidem.

Kannst du dich noch daran erinnern, welches deine erste gekaufte Platte war und warum?

Felix: Platten im Sinne von Vinyl zum Auflegen, das war ne ganze Batterie an drum and bass releases, darunter Slam von Pendulum, was mir jetzt spontan als erstes einfällt. Warum? Äh, Pendulum? Die erste Platte im Sinne von Vinyl zum hören ‚Phil Collins – …But Seriously‘. Warum ist in dem Fall auch „Äh, Phil Collins?“

Timm: Boah. Kurz überlegen. Also wirklich allererste Platte war Michael Jackson, das „Bad“ Album und elektronisch muss iwas von EYE Q Records gewesen sein. Müsste ich jetzt mal im Keller gucken, welche genau das war 😉

Was war dein beschissenster Job/Nebenjob?

Felix: Gute Frage. Ich hab mal im Sommer ein Maler Praktikum gemacht mit 15 oder so. Das war eher so semi-geil bei glühender Hitze Geländer zu lackieren.

Der Rest war bisher eigentlich immer relativ entspannt.

Timm: Ich habe mal ein paar Monate im Baumarkt gearbeitet. Das war absolut nichts für mich. Bin handwerklich eh nicht so das Genie und dann auch noch Leuten erzählen wie sie was am besten machen können/sollen. Kann sich ja jeder ausmalen das das nicht zusammen passt.

Wenn ich nicht Musik machen würde, dann wäre ich…

Felix: Wahrscheinlich in der Gummizelle, weil mein Ventil für den Alltag des Lebens weg wäre.

Timm: haha. Wahrscheinlich Felix. Bist ja so schon nah dran… haha .. spass beiseite: gute Frage – keine Antwort. Schwer zu sagen, da ich sicherlich dann eine andere Leidenschaft hätte und dieser nachgehen würde. So steht die Musik aber im Fokus und lässt keinen Platz für andere Sachen oder einer Alternative die ich stattdessen machen würde.

Welche Musiker haben dich beeinflusst und warum?

Felix: Ja, die oben genannten Personen. Als es dann zum technoiden ging natürlich Sven Väth und Adam Beyer. Sven Väth ist halt Sven Väth, ich denke das erklärt sich von selbst. Bei Adam Beyer ist es bis heute die Qualität an Produktionen die mich immer wieder beeindruckt. Sei es Idee, Umsetzung, Detail, Mixing oder Mastering. Für mich immer wieder der Maßstab. Prodigy die meinen Einstieg in die Welt des Drum & Bass waren. In dem Genre dann Pendulum und Bad Company. Faithless war auch gewaltiger Bestandteil meiner Jugend und muss erwähnt werden.

Timm: An erster Stelle Depeche Mode. Übrigens bis heute. Das neue Album ist zwar sehr düster aber auch wieder ein absolutes Brett und die begleiten mich seid meiner Jugend iwie und daher prägend, weil ja auch elektronisch. Sven Väth aus oben genannten Grund, er war der Auslöser meiner „Technofizierung“ – was ein tolles Wort 😉

Auf welches deiner eigenen Releases bist du am meisten Stolz?

Felix: Für mich als Perfektionist. Immer das Letzte! Ne, Spaß beiseite. Also das Gefühl des ersten Releases ist glaub ich was ganz Besonderes. Trotzdem gibt es einfach für mich nicht das EINE Release. Ich sehe das einfach in Form von Meilensteinen und die sind alle gleich wichtig für mich. 3 davon sind für mich die Debut EP auf 040 Recordings (shoutout an Ralf an dieser Stelle!), dann die Chemistry EP auf Dema’s Redrum Label was uns Paride Saraceni ermöglicht hat. Paride hat uns auch in Sachen Produktion auf die nächste Stufe gebracht. Und dann jetzt die „Other Side EP“ auf Natura Viva ist einfach auch etwas ganz Besonderes für uns. Dazu muss man sagen, Timm und ich geben echt ungern Dinge aus der Hand. Mixing und Mastering sind von uns, es sei denn ein Label besteht wirklich extrem auf ein gewisses Mastering. Aber wir als Künstler sind ein Gesamtpaket, das es jetzt zwar nicht so häufig gibt, aber uns enorm wichtig ist. Heinrich & Heine sind 100% wir und es dann auf so ein Label zu schaffen in absoluter Eigenregie ist schon echt was sehr Spezielles.

Timm: Absolut, wobei ich sagen muss das man iwie auf jedes Release stolz ist. Jedes symbolisiert den nächsten Schritt und die jeweilige Stufe seines musikalischen Daseins. Da sind dann natürlich schon rausstechende Veröffentlichungen dabei, die Felix ja gerade genannt hat, aber alles in allem ist jedes Release es wert das man drauf stolz ist. Da steckt viel Arbeit und Herzblut drin und somit bin ich auf alle Releases stolz.

Wann wurde dir klar, dass du mit Musik dein Geld verdienen willst?

Felix: Jeder Mensch sollte doch das tun, was ihn glücklich macht. Musik machen macht mich glücklich.

Timm: Also mir ist das bis heute nicht klar 😉 Es muss schon viel zusammenpassen und man muss mutig sein, das man ausschließlich von der Musik leben kann, bzw den Schritt wagt alles auf eine Karte zu setzen. Erstrebenswert ist es natürlich und mir wäre nichts lieber als das, aber leider gibt es ja auch ein „normales“ Leben was gemeistert und finanziert werden muss.

Was sind deiner Meinung nach die klassischen Anfängerfehler als DJ/Musiker

Felix: Zu früh den Mut verlieren und sich nicht zu erlauben Fehler zu machen. Fehler sind wichtig, Fehler machen menschlich. Jungs, mischt und mastert ruhig eure Mucke. Ja am Anfang macht man zu 99% Fehler. Aber nur so lernt man.

Timm: Da gebe ich Felix komplett Recht. Der häufigste Fehler ist von vielen einfach viel zu früh aufzugeben. Dazu haben wir ja auch schon im Labelinterview ein klares Statement abgegeben, was ich hier gerne nochmal zitieren möchte: Ein richtiges Geheimrezept gibt es sowieso nicht. Was man aber halt mit der Zeit schon lernen muss, ist Geduld zu haben. Sich immer weiter zu entwickeln und immer am Ball zu bleiben. Wie mit allen Sachen ist es mit Musik genauso, wenn man gut sein möchte, muss man Zeit und Schweiß und vielleicht auch Geld investieren. Irgendwann zahlt sich das bei den meisten schon aus. Man kann aber halt nicht glauben, ich fange heute an aufzulegen oder zu produzieren und morgen bin ich der „heiße Shit“ im Biz. Dem ist absolut nicht so. Es ist ein heiß umkämpfter Markt und da trennt sich irgendwann die Spreu vom Weizen und da werden nur die fleißigen auch ihren Erfolg davontragen.

Was sind derzeit deine drei Lieblingsplatten?

Pig&Dan ft Adam Beyer – Capsule EP

für mich ne glatte 1 ohne Anlauf mit Sternchen!

Oliver Koletzki & Reinier Zonneveld – Cold Conquest

einfach großartig!

TheGround – Raise Your Glass

richtiges McBrett!

Timm:

H.o.s.h. – Karma

Kam gerade auf Diynamic und ist einfach mal nen absolutes Monster. Da hat der gute Holger mal wieder was Schönes gezaubert 😉

Kindred Spirits (GER) – North America (Heinrich & Heine Remix) 

kommt demnächst auf Audio Safari und ich betreibe einfach mal Selbstbeweihräucherung, da der Remix jedes Mal den Floor zum Ausrasten bringt …

TR20 – Kore

Kommt iwann im Sommer bei uns auf Amber Blue Recordings. Eigentlich unfair da eine Produktion rauszupicken, da bei uns auf den Labels jede Menge guter Kram ansteht … Aber wenn ich nur drei Titel nennen soll/darf, statt 30, dann die hier 😉

Was sind deine All Time Favourites?

Felix:

Shlomi Aber – Blonda

Oxia – Domino

Dan Morgan – Flowerchild (Adam Beyer Remix)

Christian Smith & John Selway – Luminor

Pascal F.E.O.S. – Ausklang

Adam Beyer – Take Me Away

Elekro Guzzi – Atlas (KiNK Remix)

Timm:

Oxia – Domino

Faithless – Insomnia

Depeche Mode – Just can´t get enough

Tiga & Zyntherius – Sunglasses at night

Kissogram vs Woody – If i had known this before

Mandy vs Booka Shade – Body language

ATB – 9 p.m. (till i come)

Michael Jackson – Bad

Was sind derzeit deine drei Lieblingsclubs?

Felix: Berghain ist und bleibt das Maß, gefolgt vom Watergate und unserem Kiezer zu Hause Club BKI.

Timm: Als erstes natürlich unsere Homebase: Das BKI auf der Reeperbahn in Hamburg. Dann der PR Club – Goldstrand (Bulgarien) mit nem super phatten Soundsystem, direkt am Strand und absolut tollem Interieur. Und dann war es natürlich die Magdalena in Berlin, die es ja leider nicht mehr gibt.

Wer oder was nervt dich beim Auflegen am meisten?

Felix: Spielt ihr hier nur sowas oder auch Avicii?

Timm: Die Aussage: „ Ey, du spielst echt geile Musik, aber könntest du nicht mal?“ NEIN!!! Wenn ich so gute Musik spiele wie du sagst, brauche ich ja nichts Anderes spielen 😉

Wenn du deinen Koffer für den nächsten Gig packst, was darf nicht fehlen?

Felix: Also mit Timm wird es nie zu einem Jägermeister und oder Red Bull Engpass kommen, also bin ich völlig Sorgenfrei.

Timm: haha. Stimmt! Mehr brauchen wir eigentlich nich ….

Womit produzierst du deine Musik?

Steinberg Cubase, Wavelab. Für einzelne Sachen auch mal Logik oder Ableton, aber eher selten.

Kannst du irgendein Instrument spielen?

Felix: Ist Mayonnaise ein Instrument? Ansonsten nur rudimentäre Gitarren-Skills.

Timm: Für manche Menschen spiele ich gerne die „Arsch-Geige“… Nein, leider nicht wirklich.

Wie schaffst du es kreativ zu bleiben?

Felix: Das passiert bei mir ganz unterbewusst, manchmal in den banalsten Momenten. Ich habe mich nicht nur einmal dabei wiedergefunden, Melodien in mein Telefon zu singen bzw. zu summen, weil ich gerade an der Kasse bei Media Markt stand.

Timm: Sich immer mal wiedr kurze Auszeiten zu gönnen. Es gibt einfach Tage an denen Musik nicht bewusst bei mir wahrgenommen wird, oder einfach meine Ohren auch mal ne Pause brauchen. Da schnappe ich mir dann bei gutem Wetter einfach mein Fahrrad und fahre drauf los oder wenn ich zuhause bin, schaue ich einfach Filme, Serien oder stupide das gute deutsche Fernsehen. Meistens kommen dann aber die Kreativität und der Elan schnell wieder.

Was steht bei dir als nächstes an?

Felix: Das wären zum einen die EP und ein Remix für ‚Hansol‘ auf Natura Viva. Dazu kommen ein wundervolles Release auf Audio Safari mit großartigen Remixen von ‚Kindred Spirits‘ und ‚discoschorle‘. Dann eine EP auf ‚Ballroom Music‘, Label der Herren Kaiser Souzai und ein Remix auf den ich mich persönlich auch riesig gefreut habe ist gerade raus. Und zwar unsere Version von ‚Original Peter – Moonlight‘ auf Simina Grigoriu’s Label Kuukou Records. Alles in allem kommt da mal so einiges und ich habe trotzdem das Gefühl die Hälfte zu vergessen.

Timm: So siehts aus. Dazu kommen noch der oben bei den derzeitigen Lieblingsplatten genannte Remix auf Audio Safari für die Kindred Spirits-Jungs und die vielen anstehende Releases auf unseren beiden Labels Amber und Amber Blue Recordings, wo es dann phatte Singles bzw Remixe gibt, von Leuten wie TR20, Granite State, Ming (Ger), Maurizio Leonardi, J Bullit, Andrew Becks, Javier De Baraja, Moe.Ritz, Guided by Noises, Adot & Holland, Ewan Rill, Fran&Co, Chris Ojeda, Daniel Glover, Zauberakustik, Twenty Pound, The Editor, Sergio Sanchez, Sons of Eden und und und….

Wo siehst du dich in 5 Jahren?

Felix: Ich hoffe in bester Gesundheit mit weiteren Releases auf den Label’s, die uns als Künstler und als Menschen geprägt haben. Ich denke mit unserer kleinen Gilde an Künstlern und Leuten hinter den Kulissen werden wir auch in Zukunft noch einiges an Meilensteinen legen und auf ein weiteres Interview hier in 5 Jahren und dann ist Wasserstandsmessung!

Timm: WORD! Und an dieser Stelle nochmal DANKE für die Interviewanfrage. Wer uns connecten möchte, oder Lust hat mal ein Like oder Ähnliches auf unseren Socials zu hinterlassen kann das gerne hier machen:

Bis zum nächsten Mal in 5 Jahren und dicken Gruß an das ganze Transienz-Team.

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