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Wer es schafft als DJ in der Weltgeschichte rum zu gurken, der hat mittlerweile den Traumjob vieler pubertierender Schulkids. Ein Traumleben, dass sich überwiegend nachts abspielt, so dass man am Tag mehr Zeit für normale Dinge hat, wie z.B. mit einem Kreuzfahrtschiff in die Karibik fahren oder man nimmt einfach gleich seinen Privatjet und fliegt mal kurz nach New York, um seiner neuen Flamme (geliebte Nummero 1236) ein paar neue Schuhe zu kaufen.

Doch ganz so einfach ist der Beruf DJ nicht immer. Der Popstar Status wird einem durch Glück verliehen, was man mit einem Lottogewinn gleichsetzen könnte. Danach hätte man allerdings als Lottogewinner weniger Arbeit, als der neue Popstar DJ, der nun dafür sorgen muss, dass alles erst mal rund läuft und auch immer weitergeht. Hierfür braucht man nicht nur ein großes Team hinter sich, wie z.B. einen ordentliche Booker, der einem dahin vermittelt, wo viel Geld zu holen ist.
Oder ein Social Media Team, dass den Fans vorgaukelt, dass man persönlich mit ihnen kommunizieren würde. Natürlich darf der Musikproduzent nicht fehlen, welcher der eigentliche Held der Geschichte sein müsste und irgendwann als selbstmordgefährdeter Altenpfleger endet, da er trotz des großen Erfolges seiner Schützlinge, nie wirklich viel daran verdient hat.

Man tourt also als DJ durch die Welt und spielt am Donnerstag in Italien, am Freitag in den Niederlanden, am Samstag in Brasilien und am Sonntag in Berlin zur Afterhour.

Das klingt ja erst mal schön, gerade weil der Privatjet, bereits voll aufgetankt, auf dem Rollfeld auf einen wartet und man dadurch ja weniger Stress hat. Denkste!
Wer eine Dokumentation über das DJing gesehen hat, der wird nicht ohne Grund fragen, warum man in seinem Privatjet, bei gedimmtem Licht, eine Sonnenbrille braucht und diese auch im dunklen Club auf hat. Sicherlich, so denkt man sich leichtgläubig, hat er irgendwas mit den Augen. Sowas wie auch Heino hat. Gut, dann trifft das leider auf sehr viele DJs zu, die komischerweise immer erst nach der ersten Party eine Sonnenbrille tragen und diese erst unter der Woche wieder zur Seite legen, nachdem sie mal ordentlich ausgeschlafen haben.

So ein Jetset leben ist sehr anstrengend und da spreche ich aus eigener Erfahrung. Wer dann noch zu der Sonnenbrillen Fraktion gehört, der hat natürlich noch weniger Schlaf, als der normale DJ.

Es hat schon seine Gründe, wieso manche Popstar DJs ihre Karriere lieber selbst beenden, als sich weiterhin diesen Stress auszusetzen. Klar, wer einen großen Namen hat, der hat meist auch einen Tour Manager dabei, so dass man sich als DJ voll und ganz auf das auflegen konzentrieren kann. Oder einfach um den Stress zu vermeiden, denn man als normaler DJ auf fast jeder Party ausgesetzt ist.

Man muss einfach nur das Portmonee aufhalten, damit man selber sein Leben genießen kann. Was aber, wenn die nächste Single oder gar das ganze Album floppt? Was macht man, wenn man plötzlich „out“ ist und die Leute nichts mehr von einem hören wollen, weil sie nun lieber „Gestört aber geil“ Fans sind?
Dann kann das Portmonee evtl. nicht mehr alle befriedigen und man steht wieder alleine da. Die Bookings bleiben aus, da niemand mehr 15.000 Euro für den „alten“ DJ zahlen will, der gerade Mal 2 Jahr angesagt war.
Wo ist denn Laserkraft 3D heute? Wo sind die Boogie Pimps geblieben? Hört die noch jemand?

Oftmals wird der Erfolgsdruck so groß, dass man nicht mehr weiß wo vorne oder hinten ist. Wer klug genug war, sich Geld auf die Seite zu legen, der muss sich am Ende keine Sorgen machen.
Aber mal ganz ehrlich, wer einen Privatjet hatte und jedes Wochenende mit seiner (neuen) Freundin mal zum shoppen nach Paris geflogen ist und lieber in Sterne Restaurants diniert hat, der hat evtl. noch etwas Koks zuhause auf dem Tisch, aber sicherlich nicht die Millionen auf dem Konto.

Einige brechen daher unter dem Erfolgsdruck zusammen oder kommen mit einem Burnout ins Krankenhaus.

Wenn man dann mal ein paar Etagen tiefer geht, dahin wo der Erfolgsdruck zwar nicht so groß, aber dennoch vorhanden ist, dann wird man sehen, dass DJing nicht immer ein Traumberuf ist.
Viele DJs die „damals“ sehr Erfolgreich waren und in ganz Deutschland und darüber hinaus aufgelegt haben, stehen heute im Supermarkt und halten sich mit Promo Jobs über Wasser.
In dieser Etage arbeiten leider nicht so viele Leute für den DJ. Wenn er Glück hat, dann hat er einen guten Booker und vielleicht auch einen Produzenten, der ihm irgendwann dem Rücken zukehrt, da er nicht genug an ihm verdient. Dieser DJ muss nach seinen Auftritten noch die Abrechnung selbst machen und hat niemand, der sein Equipment für ihn aufbaut.
Zudem muss er sich mit Technikern oder Promotern herumschlagen, die vom Teufel persönlich entsandt wurden, um ihm das Leben schwer zu machen.
Techniker, die während seines Sets die Monitore runterdrehen und dann versuchen am CD Player die Lautstärke einzustellen. Promoter, die nach dem DJ das Ende spielen und zwar Open End und dann niemand haben, der mit dem DJ Abrechnung machen könnte. So muss der DJ einfach mal 4 Stunden oder länger warten, bis er seine Gage erhält. Manchmal muss sich dieser DJ, bei einer schlechten Veranstaltung, wieder die immer selben Ausreden anhören und darauf vertrauen, dass er sein Geld innerhalb der nächsten Tage überwiesen bekommt, ansonsten kann er evtl. keine seiner offenen Rechnungen bezahlen.
Viele leben in WG’s, da sie sich keine eigene Wohnung oder ein Haus leisten können.
Nach einem anstrengenden Wochenende in Italien, kann er leider nicht am Montag ausschlafen, weil er noch einen schlecht bezahlten Job hat, der aber nicht reicht, um den eigenen Lebensstil zu finanzieren. Denn immerhin will man cool sein und muss auf jeder angesagten Party in Berlin als Gast aufschlagen, damit man weiter connecten kann, um dadurch wieder an neue Bookings ran zu kommen.

Wer über die Jahre immer konstant als DJ angesagt war, der weiß, wie viel Arbeit damit verbunden ist. Einigen ist das zu viel, die anderen möchten nicht mehr tauschen. Ein wenig Angst vor der Zukunft haben dann aber doch alle, da man nie genau weiß, wie lange man sich als DJ halten kann.

Von einem Traumjob kann man da nicht unbedingt reden, aber tauschen möchte man dann auch nicht mehr. Immer hin macht man das, was man liebt: Musik!

Lasst uns daher doch einfach mal träumen.